Hans-Sachs-Spielgruppe Langenzenn e.V.

Gedichte des Meistersingers

D

ie Wittenbergisch Nachtigall

Wacht auf, wacht auf, es taget!
Ein nachtigal, die waget
ir stim mit suessem hal.
ir thon durchclinget perg vnd thal.
Die morgenrot her zicket.
Der leo sich peclaget;
Wie geren er verjaget
die lieplich nachtigal.
Der liechte man ist worden fal,
Die helle sun her plicket.
Das wilde schwein schreit «waffe»,
Die Nachtigal zw straffe.
Der poch hunt kacz mit im
marren stet dar wider mit grim,
Vnd das schlangen geczichte
Wisplet vnd wider fichte,
Die wolff hewlen al gleich,
Wollen das die nachtigal weich,
Furchten des tages lichte.
Jdoch sie schweiget nichte
Sunder singet fröleich!
Der tag get auf gar frewdenreich.
Secht: die irenden schaffe
Erwacht sint von dem schlaffe
Von der Nachtigal stim.
Des manes schein sie achten nim

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S

chlaraffenland - von Hans Sachs (1530)

Eine Gegend heißt Schlaraffenland,
den faulen Leuten wohlbekannt;
die liegt drei Meilen hinter Weihnachten.
Ein Mensch, der dahinein will trachten,
muß sich des großen Dings vermessen
und durch einen Berg von Hirsebrei essen;
der ist wohl dreier Meilen dick;
alsdann ist er im Augenblick
im selbigen Schlaraffenland.
Da hat er Speis und Trank zur Hand;
da sind die Häuser gedeckt mit Fladen,
mit Lebkuchen Tür und Fensterladen.
Um jedes Haus geht rings ein Zaun,
geflochten aus Bratwürsten braun;
vom besten Weine sind die Bronnen,
kommen einem selbst ins Maul geronnen.
An den Tannen hängen süße Krapfen
wie hierzulande die Tannenzapfen;
auf Weidenbäumen Semmeln stehn,
unten Bäche von Milch hergehn;
in diese fallen sie hinab,
daß jedermann zu essen hab.
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E

in Tischzucht

Hör, Mensch! wenn du zu Tisch willt gahn,
Dein Händ sollt du gewaschen han.
Lang Nägel ziemen gar nit wohl,
Die man heimlich abschneiden soll.
Am Tisch setz dich nit oben an,
Der Hausherr wölls dann selber han!
De Benedeiung nit vergiss!
In Gottes Nam heb an und iss!
Den Altisten anfahen lass!
Nach dem iss züchtiglichermass!
Nit schnaude oder säuisch schmatz!
Nit ungestüm nach dem Brot platz,
Dass du kein Gschirr umstossen tust!
Das Brot schneid nit an deiner Brust!

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